Wer mit einem Haustier zusammenlebt, sollte sich frühzeitig über Erste-Hilfe-Maßnahmen und mögliche Notsituationen informieren, damit man im Ernstfall gut gerüstet ist.

Nicht immer ist ein Notfall auf den ersten Blick zu erkennen. Bei einer Vergiftung oder einer Unterkühlung ist es wichtig, dass der Hundehalter schon kleine Signale rechtzeitig wahrnimmt. Ganz anders ist die Situation bei einem Unfall. Für den Laien ist es oftmals schwer, das Ausmaß der Verletzungen zu erkennen und richtig zu reagieren.

Viele Tierärzte und Tierkliniken bieten Erste-Hilfe-Kurse an. Dort wird einem das notwendige Wissen vermittelt, um im Notfall den eigenen oder einen fremden Vierbeiner solange zu versorgen bis ein Tierarzt oder die Tierrettung zur Stelle ist.

Verhalten im Notfall

Verletzte Hunde können aggressiv reagieren oder versuchen, schnellstmöglich die Flucht zu ergreifen. Um sich selbst zu schützen, muss man Ruhe bewahren und sich dem Tier vorsichtig nähern.

Symptome:

  • Apathie oder Bewusstlosigkeit
  • starke Blutungen
  • sichtbare Knochenbrüche
  • unregelmäßiger, zu schneller oder zu flacher Atem
  • starkes Hecheln
  • Zittern
  • Krämpfe
  • Lähmungen
  • heftiges Erbrechen oder Durchfall
  • Schockzustand (blasses Zahnfleisch oder Bindehäute, kalte Hautoberfläche)
  • Atemnot
  • Fieber oder Untertemperatur (normal zwischen 37,5 und 39°C)
  • aufgeblähter Bauch
  • sehr starker Speichelfluß

Sofortmaßnahmen:

  • vorsichtig und mit beruhigender Stimme dem Tier nähern
  • ggf. Maulkorb oder -schlinge anlegen
  • Hund mit Leine sichern
  • Atemwege überprüfen
  • Puls messen (mit zwei Fingern an der Innenseite der Oberschenkel in der Leistengegend)
  • starke Blutungen stillen
  • Unterkühlung durch Zudecken vermeiden oder Überhitzung mit feuchten Tüchern entgegenwirken
  • Farbe des Zahnfleischs überprüfen
  • Verletzungen durch Abtasten des gesamten Körpers feststellen
  • wenn nötig Herzmassage und Beatmung zur Wiederbelebung
  • Kontrolle der Bewegungs- und Lauffähigkeit des Hundes
  • Bergung aus dem Gefahrenbereich und Sicherung bis zum Transport zum Tierarzt
  • einen Tierarzt aufsuchen

Erste-Hilfe-Kasten

Das gehört rein:

  • Schere mit stumpfen Enden
  • kleine Taschenlampe zur Kontrolle von Augen, Rachen, Mund, Ohren
  • elektronisches Fieberthermometer mit flexibler Spitze
  • Pinzette mit abgerundeten Spitzen
  • Einwegspritzen je nach Größe des Hundes
  • Holzstab zum Schienen von Brüchen
  • Holzspatel
  • Gummi- oder Latexhandschuhe
  • Gummiband oder Staubinde zum Abbinden bei starken Blutungen
  • Rettungsdecke
  • Decke zum Liegen, Zudecken oder Transport
  • Notfalltuch ähnlich einer Warnweste
  • Maulschlinge
  • sterile Wundauflagen (Gaze)
  • Mullbinden
  • selbsthaftende Fixierbinden
  • Gazetupfer
  • Verbandswatte
  • Heftpflaster
  • Verbandspäckchen für einen Druckverband
  • Desinfektionsmittel
  • Jod-Lösung
  • Kohletabletten oder -pulver für Vergiftungen

Vergiftungen

Sofortmaßnahmen:

Ein Erbrechen sollte nur dann herbeigeführt werden, wenn sicher ist, dass die Vergiftung nicht durch eine ätzende Substanz entstanden ist. Auch auf die Gabe von Wasser sollte verzichtet werden, wenn der Giftstoff nicht bekannt ist.

Medizinische Kohle ist die schnellste und effektivste Art, Giftstoffe zu binden. Sie bindet eine Vielzahl an Stoffen innerhalb weniger Minuten. Aktivkohle funktioniert bei Menschen und Tieren und sollte daher in jeder Hausapotheke vorhanden sein. Bei einer Laugen- oder Säurevergiftung kann sie jedoch nicht eingesetzt werden, da hier keine Wirkung eintritt.

Bei Krämpfen ist der Hund so zu sichern, dass er sich nicht verletzen kann. Dazu legt man den Vierbeiner auf eine Decke oder ein Kissen. Eine Vergiftung beeinträchtigt die Stoffwechsel- und Kreislaufvorgänge so stark, dass die Körpertemperatur absinkt. Das Einwickeln in eine Decke sollte daher in jeden Fall erfolgen.

Bei allen Maßnahmen ist aber unbedingt darauf zu achten, dass die Atemwege frei bleiben. Eventuell müssen diese von Erbrochenem oder Schleim befreit werden.

Bei einer Vergiftung oder dem Verdacht darauf ist es wichtig, so schnell wie möglich zum Tierarzt zu kommen. Jedes Minute des Abwartens wird bei einer Vergiftung die Situation nur verschlimmern. Wenn der Giftstoff bekannt ist, sollte dieser eingesammelt und mitgenommen werden.

Gefahr durch Hitze

Bei warmen Außentemperaturen würde jeder Hund freiwillig ein schattiges Plätzchen suchen. Ist dies jedoch nicht möglich, weil er entweder im Auto sitzt oder vor einem Geschäft in der Sonne angebunden wurde, können ein Hitzschlag oder Sonnenstich die Folge sein. Ein Sonnenstich ist die Folge direkter Sonneneinstrahlung. Dabei kommt es zu einer Reizung der Hirnhäute und des Hirngewebes und führt zu Entzündungsreaktionen. Ein Sonnenstich tritt seltener auf als ein Hitzschlag. Die Symptome sind jedoch ähnlich. Ein Hitzschlag ist eine Überhitzung des gesamten Körpers. Hecheln und Schwitzen reichen vor allem bei Flüssigkeitsmangel schnell nicht mehr aus, um die benötigte Wärmeabfuhr des Körpers zu regulieren. Jeden Sommer liest man wieder schreckliche Nachrichten von Hunden, die im Auto starben, weil sie dort eingeschlossen waren. Aber nicht nur das Warten im Auto ist zu vermeiden. Ebenso kann zuviel Aktivität bei hohen Temperaturen einen Hitzschlag auslösen.

Symptome:

  • erhöhte Puls- und Atemfrequenz
  • starkes Keuchen oder Hecheln
  • tiefrote Zunge
  • Krämpfe
  • Gleichgewichts- und Bewusstseinsstörungen

Sofortmaßnahmen:

  • den Hund sofort in eine kühlere Umgebung bringen
  • Wasser (nicht eiskalt) zum Trinken anbieten
  • zur Abkühlung den Hund auf feuchte Handtücher legen (nach 10 bis 15 Minuten austauschen)
  • die Pfoten feucht halten
  • ein feuchtes Tuch um den Hals und an den Kopf legen
  • einen Tierarzt aufsuchen