Winseln, Hecheln, unruhiges Herumlaufen – Silvester ist für viele Hunde gleichbedeutend mit dem Weltuntergang. Sobald Böller und Raketen wieder in den Geschäften erhältlich sind, beginnt für unsere Vierbeiner der Ausnahmezustand.

Das Märchen vom Ignorieren

Immer wieder wird Hundehaltern geraten, ängstliches Verhalten zu ignorieren. Ein Trösten oder Kümmern würde alles nur viel schlimmer machen.
Ein Ignorieren der Situation soll also eine reale Angst der Vierbeiner verbessern? Das Gegenteil ist der Fall.
Wenn der Hund große Angst verspürt und von seinem Halter ignoriert wird, kommt nur noch ein weiteres unangenehmes Gefühl dazu.
Eine beruhigende und nicht bedrängende Zuwendung gibt dem Hund aber etwas mehr Sicherheit und das Wissen, wo er Schutz finden kann.
Es ist also die Aufgabe der Hundehalter, sich darum zu kümmern, dass der Hund so wenig wie möglich an Silvester leiden muss und nicht durch das unsoziale Verhalten seines Menschen noch mehr verängstigt wird.
Woher der Irrglaube kommt, dass man die Angst des Hundes durch Zuwendung bestärken könnte, kann wohl niemand mehr sagen. Vielleicht hat jemand seinen Hund zu fest in den Arm genommen und durch das Bedrängen für noch mehr Angst gesorgt. Eine wissenschaftliche Grundlage gibt es dafür nicht.
Bewiesen ist jedoch, dass Ängste durch genetische Veranlagung bereits angeboren oder z.B. durch mangelnde Konfrontation mit Geräuschen im Welpenalter entstanden sein können.

Was kann ich tun?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die die Angst an Silvester nicht wegzaubern, aber das Leiden des Tieres verringern können.

Zylkène

Zylkéne® enthält ein hydrolysiertes Casein (Milchprotein), das eine beruhigende Wirkung auf das Tier hat. Bei Neugeborenen wird dies noch über die Muttermilch aufgenommen. Der Körper kann dieses Caseinhydrolysat jedoch nicht selber bilden. Mit der Gabe von Zylkene® sollte bereits einige Tage vor dem Ereignis begonnen werden. Ein Ausschleichen ist nicht notwendig.
Laut Hersteller gibt es keine Nebenwirkungen.

Thundershirt®

Durch die spezielle Wickeltechnik des Thundershirts wird ein kontinuierlicher Druck auf die Brust und den Mittelkörper des Hundes ausgeübt. Dieser Druck soll eine beruhigende Wirkung haben und vom Hund als angenehm empfunden werden.

Eierlikör

So seltsam es klingen mag, einige Hundehalter schwören auf dieses Hausmittel. Je nach Größe und Gewicht des Hundes wird ½ bis 1 Teelöffel Eierlikör verabreicht. Auch wenn die meisten Hunde den Eierlikör mögen, ist er natürlich ungesund. Wer seinem Hund die Silvesternacht mit Eierlikör angenehmer machen möchte, sollte dies unbedingt vorher einmal getestet haben, um sicher zu gehen, dass der Alkohol wirklich eine beruhigende Wirkung hat. Denn ähnlich wie beim Menschen kann die Reaktion auf Alkohol bei jedem Tier anders sein. Das Verabreichen von Eierlikör sollte nicht die erste Wahl sein. Es ist aber eine Alternative zu starken Medikamenten.

Ohrenverband

Für die meisten Hunde sind die lauten Knallgeräusche am furchteinflößendsten. Etwas Abhilfe schafft hier ein Ohrenverband.<
Dazu wird etwas fusselfreie Watte in die Ohren gesteckt und der Kopf mit einem Schal umwickelt. Auch den Ohrenverband sollte man schon einige Tage vorher testweise anlegen, da ihn nicht alle Hunde als angenehm empfinden.<
Entspannende Musik kann außerdem zusätzlich beruhigend wirken.<

Beruhigungsmittel vom Tierarzt

Hat man einen extrem ängstlichen Hund, ist der Tierarzt oft die letzte Rettung. Dabei sollte man darauf achten, dass auf gar keinen Fall ein Medikament mit dem Wirkstoff Acepromazin verschrieben wird. Dieser Wirkstoff sorgt dafür, dass der Hund in seiner Motorik eingeschränkt ist, die angstverursachenden Geräusche und Lichter aber weiterhin mitbekommt. Das verschlimmert die Situation nur noch, da der Hund nun auch noch das Gefühl hat, dass er vor dem, was ihm Angst macht, nicht mehr flüchten kann.
Die richtige Wirkung haben Benzodiazepine. Sie wirken angstlösend, muskelentspannend, schlaffördernd und teilweise sogar stimmungsaufhellend. Medikamente mit diesem Wirkstoff sind jedoch schon sehr heftig und dürfen nur nach Anweisung gegeben werden. Bereits ein paar Tage vor Silvester muss mit der Gabe begonnen werden und das Ausschleichen danach ist unbedingt notwendig.
Die Verabreichung solcher Medikamente sollte daher nur bei extrem panischen und ängstlichen Hunden erfolgen.

Autobahn

Wer die Möglichkeit hat, packt seine Vierbeiner ein und fährt mit ihnen rechtzeitig auf die Autobahn. Auf einer Raststätte, die weit ab der nächsten Stadt liegt, lässt es sich gut ein paar Stunden aushalten. Warme Getränke für die Zweibeiner und Leckerlies für die Fellnasen sollten eingepackt werden, damit man um 0.00Uhr auch etwas zum Anstoßen hat. Und vielleicht trifft man dabei auch noch ein paar Leidensgenossen.

Ab in den Norden

Auf einigen Nordseeinseln (z.B. Amrum) oder in Orten mit vielen Reetdachhäusern gibt es häufig ein Abbrennverbot für Feuerwerkskörper. 100%igen Knallschutz wird man auch hier nicht finden, jedoch beschränkt sich die Knallerei auf ein Minimum.
Wem die Nordsee zu weit weg ist, der findet vielleicht einen Kurzurlaub auf einem Bauernhof oder in abgelegenen Orten.

Gut gesichert

Silvester mit einem sehr ängstlichen Hund ist auch für die Zweibeiner nicht angenehm. Man leidet mit seinem Tier und fühlt sich oft hilflos.
Es gibt jedoch ein paar Dinge, die wir für unsere Fellnasen tun können.

  • doppelte Sicherung (Halsband und Geschirr) beim Gassigehen
  • eine Höhle (Kennel, Wigwam o.ä.) rechtzeitig bereit stellen
  • solange der Hund noch ansprechbar ist, mit kleinen Spielchen oder Tricks für Ablenkung sorgen
  • nicht allein lassen
  • auf keinen Fall ignorieren aber auch nicht bedrängen
  • wenn möglich für die Gassirunden und zum Lösen ruhige und entfernte Stellen aussuchen

Alles mit Hund wünscht euch und euren Vierbeinern ein möglichst stressfreies Silvester und einen tierisch guten Rutsch ins neue Jahr!